Was ist Agnihotra ?
Agnihotra (Sanskrit अग्निहोत्र) ist eine Feuer-Zeremonie, die in den ältesten Weisheitsbüchern der Menschheit, den Veden, vor etwa 5000 Jahren beschrieben wurde. Diese wurden als „Yagnas“ bezeichnet und sind verschiedenartige Feuer-Zeremonien (auch „Homa-Techniken“ genannt). Sie werden als Ritual zur Gottesverehrung beschrieben, sind jedoch nicht an einen Gott einer bestimmten Religion gebunden, sondern richten sich an jene positive Kraft, die unser gutes Schicksal gestaltet und uns mit Lebenskraft versorgt. Dies kann für jeden Menschen eine andere Vorstellung sein. Manch einer sieht darin die Kräfte der Physik, der Natur, des Schicksals oder auch die einer obersten guten göttlichen Instanz. Doch verbindet wohl alle Menschen der Wunsch nach Gesundheit, Glück, einem guten Leben und einer intakten Umgebung im Gleichgewicht. Genau diesen Wünschen kommt das Agnihotra Feuer-Ritual entgegen.
Die Yagnas gerieten mit den Jahrhunderten durch verschiedene Umstände in Vergessenheit und wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, an ihrem Ursprung, in Indien, wiederbelebt. Heute gibt es verschiedenste Menschen und Gruppierungen, Vereine und Gesellschaften in unterschiedlichsten Ländern, die sich für diese Wiederbelebung einsetzen, Experimente sowie Untersuchungen machen und ihre Erfahrungen dokumentieren. Längst hat sich das Agnihotra-Ritual als eine Zeremonie bzw. ein Alltags-Ritual etabliert, das keiner bestimmten Kultur angehört und keine sprachliche oder religiöse Nähe zu einer bestimmten Kultur, Religion, Ideologie oder Weltanschauung verlangt. Menschen aller Kulturen praktizieren es und schätzen seine Wirkungen.
Was bedeutet „Agnihotra“ ?

„Agni“
bezeichnet das Feuer in all seinen Ausprägungen. In den Veden nimmt es eine sehr zentrale Stellung ein und wird selbst als Gottheit betrachtet. Agni ist das physische Feuer, das nur aus unserer subjektiven Sicht zerstörerisch wirkt, in Wahrheit aber Dinge schlicht verändert, umbaut (Feuer ist Oxidation).
In vielen Religionen und Mythen aus Kulturen in der ganzen Welt hat das Feuer große Bedeutung und einen hohen Wert. Prometheus bringt den Menschen das Feuer von den Göttern. Der mythische Phoenix verbrennt, um sodann aus der Asche gänzlich neu zu entstehen. Der chinesische Fenghuang-Vogel soll am Beginn neuer Zeiten erscheinen und repräsentiert Feuer, Sonne, Gerechtigkeit und Vertrauen. In der „Götterdämmerung“ versinkt die Welt im Weltenbrand und entsteht dann, vom Bösen befreit, neu.
Ebenso oft erscheinen rituelle Feuer in allen Kulturen. Archäologen haben aus der zoroastrischen Religion, die um 1000 v. Chr. entstand, Feueraltäre freigelegt. Noch heute gibt es im Iran Feuertempel, deren Feuer laut zoroastrischer Tradition niemals gelöscht worden sind. Die Vestalinnen in Rom beschützten das heilige Feuer. Auch in unserem althergebrachten Brauchtum werden Sonnwend-, Oster- oder Fastnachtsfeuer und Friedenslichter entzündet.
Immer schon wusste man also um die Kraft und auch Wirkung des Feuers. Diese sehr wenigen von zahllosen Beispielen mythischer Bedeutungen zeigen stets das Motiv von Zerstörung und Erneuerung, Reinigung, Transformation und Verbesserung.
„Hotra“
bedeutet im Sanskrit „Opferhandlung“ sowie „Priester“. Eine (Opfer-)„Handlung“ ist Bestandteil aller vedischen Feuerzeremonien. Das Wort „Opfer“ hat in unserer Kultur eine deutlich negative Konnotation, die es im Sanskrit nicht besitzt. Die tiefe Bedeutung liegt darin, dass der Mensch, der sich durch das Ritual Besserung und Hilfe erbittet, symbolisch etwas „gibt“, das ihm selbst wichtig ist, er von seinem Geld gekauft oder gar selbst erzeugt hat. Wenn in manchen Kulturen „eine Handvoll Reis“ pro Tag das einzige ist, das hilft, zu überleben, so können immer noch einige wenige Reiskörner davon „gegeben“ werden, um zu zeigen, dass man die Hilfe und Unterstützung durch das Feuerritual zu schätzen weiß. Ebenso sind ein paar Tropfen Butterschmalz entbehrbar. In unserer modernen westlichen Kultur kann es eher als „Opfer“ oder „Gabe“ gesehen werden, ein oder zwei Mal am Tag zehn Minuten für eine Handlung aufzuwenden.
Sowohl die aufgewendete Zeit, als auch das, was im Ritual ins Feuer gegeben wird, ist in Wahrheit minimal gegenüber der Wirkung, die wir empfangen. Daher spreche ich lieber von einer „Gabe“, zumal uns in reichem Maße „gegeben“ wird. Die englische Sprache kennt dieses Problem übrigens nicht. Mit dem Wort „offering“ ist keine Opferung gemeint, sondern schlicht ein „Angebot“.

Somit könnte man „Agnihotra“ als „Feuergabe“ übersetzen.
Die Materialien für Agnihotra
Agnihotra wird mit genau bestimmten Utensilien und Zutaten durchgeführt. Diese sollten unbedingt so beibehalten werden. Es gibt eine Untersuchung, die zeigt, dass sich die Wirkung von Agnihotra drastisch verringert bzw. nicht vorhanden ist, wenn dies oder der korrekte Zeitpunkt verändert wird [1]. Eine genau Liste der Utensilien findet sich bei „Durchführung“.
Pyramide
Agnihotra wird in einer nach genauen Angaben dimensionierten, mit der Basis nach oben geöffneten pyramidenförmigen Kupferschale durchgeführt [2].
Die Pyramide ist seit jeher eine Form, die dokumentiert positiven Einfluss auf Energieströme ausübt. Die Agnihotra-Pyramide hat die gleichen Proportionen wie die Cheops-Pyramide. Auch bei dieser großen Pyramide ist sehr wahrscheinlich, dass sie zur Erbauungszeit zu Ritual-Zwecken genutzt wurde.


Kupfer
Kuhdung
In der Pyramide wird getrockneter Kuhdung verbrannt. Dieser ist gleichsam die konzentrierte Verdauungskraft der Tiere, die ihre pflanzliche Nahrung auf hocheffiziente Weise verwerten. Kuhdung wird in verschiedenen Kulturen auch zur Desinfektion von Räumen oder zur Heilung von Krankheiten verwendet. Das Einatmen des Rauches von Kuhdung ist für die Lunge nicht nur unschädlich, sondern angenehm und gesundheitsfördernd. Für das Ritual ist es wichtig, dass es sich um naturbelassenen Kuhdung (nach Möglichkeit von biologisch und artgerecht gehaltenen Kühen) handelt.


Ghee (geklärtes Butterschmalz)
Auf feinstofflicher Ebene ist Ghee das hochwertigste Nahrungsmittel überhaupt. Es besteht zu annähernd 100% aus Fett und kann vom Körper beinahe vollständig aufgenommen werden. Im Ayurveda gilt es als eines der Lebensmittel mit der meisten Lebenskraft und stark reinigenden und heilenden Eigenschaften. Beim Verbrennen wird diese Lebens¬kraft freigesetzt und es entstehen feine Düfte in der Umgebung.
Bienenwachs
Das Feuer wird mit Hilfe einer Kerze aus reinem Bienenwachs angezündet, vorzugsweise handgezogen. Auch dieses Material beinhaltet konzentrierte Kraft: Den Fleiß und die Arbeitskraft von vielen Bienen, die mit der Herstellung des Materials die Kraft von Pflanzen transformieren. Der heilige Hieronymus spricht sich bereits im Jahre 384 dafür aus, für Kerzen Bienenwachs anstelle von Talg zu nehmen, um die feinere „pflanzliche“ Energie zu bevorzugen. Das heute für Kerzen verwendete Paraffin oder Stearin ist chemisch und industriell hergestellt und repräsentiert ebensolche Kräfte. Für ein natürliches Heilungs- und Reinigungsritual eignen sich naturgemäß feinere und natürliche Materialien viel besser. Bienenwachs in Bio-Qualität enthält keine chemischen Rückstände. Verantwortungsvolle Imker entnehmen dem Bienenstock von Zeit zu Zeit die alten Waben, um Krankheiten vorzubeugen. Dieses Wachs ist für die Verarbeitung nutzbar.


Reis
Reis ist in weiten Teilen der Welt das Symbol für Nahrung schlechthin. Es ist von entsprechend hohem energetischen Wert, von dieser seiner Nahrung einen kleinen Teil als „Gabe“ dem Feuer zu überlassen.
Von besonderer Bedeutung hierbei ist, dass für das Ritual genutzte Reis keimfähige, unbeschädigte Naturreis-Körner verwendet, und vor dem Ritual zerbrochene Reiskörner aussortiert werden. Aus Erfahrung hat sich erwiesen, dass Naturreis in Demeter Qualität die höchste Wahrscheinlichkeit hat, zu keimen.
[1] Pathade, Girish & Abhang, Pranay, Scientific study of Vedic Knowledge Agni¬hotra. In: Bharatiya Bouddhik Sampada A Quarterly Science Research Journal of Vijnana Bharati. 43-44. S. 25ff. Online: http://publicationslist.org/data/pranayabhang/ref-4/Scientific%20study%20of%20Vedic%20Knowledge%20Agnihotra.pdf
[2] Die genau Herleitung der Pyramidenmaße findet sich in: Heigl, Horst und Birgitt, Agnihotra. Ursprung, Praxis und Anwendungen, Heiligen-berg 3/2015, S. 28-43.